Karl Veitschegger (2024)

 

Heilige Ursula & Freundinnen – Gedenktag: 21. Oktober


 

Selbstbewusste Christin

Die „kleine Bärin“ — das bedeutet der Name „Ursula“ — soll eine bretonische Königstochter gewesen sein und als selbstbewusste Christin im vierten Jahrhundert gelebt haben. Ihr Vater verlobte sie — so die Legende — mit dem heidnischen König Aetherius von England. Sie, die eigentlich zölibatär leben wollte, stimmte einer Ehe nur zu, wenn Aetherius sich vorher einem dreijährigen christlichen „Glaubenskurs“ mit Taufe unterzöge. Dieser war dazu bereit.

 

Couragierte Pilgerin

Ursula wollte die Zeit nützen und soll mit zehn Freundinnen und 11.000 (!) Jungfrauen eine Pilgerreise nach Rom gemacht haben — per Schiff über die Nordsee, dann den Rhein entlang durch Köln bis Basel und von dort zu Fuß nach Rom.

 

Widerstand bis aufs Blut

In Köln, wo sie und ihre Gefährtinnen heute noch besonders verehrt werden, hatte sie angeblich einen Traum, der ihr das Martyrium ankündigte. Und auf der Rückreise von Rom soll die tapfere Mädchenschar dort von den Hunnen überfallen und getötet worden sein — Ursula durch einen Pfeil, nachdem sie dem Hunnenkönig nicht zu Willen sein wollte.

 

Historische Einordnung

Die Legende der heiligen Ursula entstand in ihrer heutigen Gestalt vermutlich erst im Frühmittelalter, im 9. oder 10. Jahrhundert, in eine Zeit, in der Heiligenlegenden eine wichtige Rolle für die religiöse Identitätsbildung spielten. Köln, damals ein bedeutendes kirchliches Zentrum, stärkte durch die Tradition lokaler Märtyrerinnen seine geistliche Autorität. Die Erwähnung der Hunnen, deren Vordringen bis nach Köln historisch nicht wahrscheinlich ist, spiegelt wohl allgemein Ängste vor verschiedenen Bedrohungen in stürmischer Zeit wider.

Die riesige Zahl der 11.000 Jungfrauen — so wurde mir einmal erklärt — könnte entstanden sein, weil man die Abkürzung „M“, die für „Märtyrerinnen“ steht als lateinische Ziffer „M“ (mille = 1.000) gelesen hat. Wurden so aus elf Märtyrer-Jungfrauen 11.000? Leicht möglich.

 

Starke Frauen

Die Ursula-Geschichte ist historisch nicht wirklich fassbar, aber die Legende steht für viele selbstbewusste, gebildete christliche Frauen, die sich oft gegen Väter, Brüder und mächtige Männer durchsetzen mussten, um ihre Überzeugung zu leben. Vielmehr als andere Religionen verdankt das Christentum seine Entfaltung starken Frauen. Und es waren sicher mehr als 11.000!

Ein im 16. Jh. gegründeter Frauenorden, der sich bsonders der Erziehung und Bildung von Mädchen widmet, nennt sich bewusst „die Ursulinen“. Im gehören weltweit rund 10.000 Ordensfrauen an.

 

Karl Veitschegger

 

Zurück zur Homepage von Karl Veitschegger

Zurück zum Menü "Artikel, Referate, Skizzen ..."


Karl Veitschegger © 2024