Karl Veitschegger (2025)

 

Der Stern von Betlehem – Legende, Wissenschaft, Symbol

 


 

Sterne gehören heute unübersehbar zur Weihnachtsdekoration. Der Grund dafür ist der Stern von Betlehem, der seit über 2000 Jahren Menschen fasziniert. Laut Matthäusevangelium führte er sternkundige Weise („Magoi“) aus dem Osten zum neugeborenen Jesuskind. Was steckt hinter diesem geheimnisvollen Himmelsphänomen? Handelt es sich um ein reales astronomisches Ereignis oder vielmehr um ein tiefgründiges Symbol?

 

Wissenschaftliche Erklärungen

Schon Johannes Kepler (1571-1630) und viele Astronomen nach ihm suchten nach einer wissenschaftlichen Erklärung für das biblische Ereignis. So wurde und wird oft auf eine auffällige zur Zeit Jesu nachweisbare Jupiter-Saturn-Konjunktion hingewiesen. In neuerer Zeit identifizierte der NASA-Planetologe Mark Matney einen „Stern“, dessen Bewegung der Beschreibung im Matthäusevangelium entsprechen könnte. (Er stützt sich dabei auch auf alte chinesische Aufzeichnungen über einen „Besenstern“).

 

Theologische Deutungen

Theologinnen und Theologen sind da eher skeptisch. Sie deuten den Stern meist nicht astronomisch, sondern spirituell-symbolisch. Die biblischen Erzählungen über Geburt und Kindheit Jesu tragen offensichtlich legendenhafte Züge, wie das in antiken Biografien auch sonst üblich ist. Kirchenvater Johannes Chrysostomus (+407) ist überzeugt: „Dass jener Stern keiner von den Sternen des Himmels war, ist offenkundig. […] Daher scheint jener Stern als sichtbare Erscheinung einer unsichtbaren Kraft gebildet worden zu sein.“ Papst Gregor der Große (+604) sieht im Stern entweder den Heiligen Geist oder einen Engel, der den „Magiern“ erschien. Die mittelalterliche „Legenda Aurea“ (um 1260 verfasst) nennt fünf Möglichkeiten, den Stern von Betlehem zu deuten: als astronomisches Ereignis, als Glaubenslicht im Herzen, als Engel im Traum, als Zeichen für Maria („Meerstern“) und schließlich als Christus selbst. Er ist der wahre Stern – modern gesagt: der Superstar!

 

Worauf es ankommt

Es gab und gibt also viele Deutungen. Wir sehen, die Interpretation bleibt offen. Aber viel wichtiger als das, was damals am Firmament los war oder nicht, scheint mir die Frage zu sein: Welcher „Stern“ leitet mich heute zu dem, was ich zutiefst suche, was meinem Leben Sinn gibt? Wann verbirgt er sich? Wann zeigt er sich? Wann habe ich mich gefreut, ihn deutlich zu sehen?

Möge uns allen ein guter Stern durchs neue Jahr begleiten – auch wenn Umwege dazugehören.

 

Karl Veitschegger

 

Neue Hypothese zum „Stern von Bethlehem“ (NASA-Forscher):

https://www.fr.de/wissen/raetsel-des-sterns-von-bethlehem-geloest-nasa-forscher-entdeckt-ueberraschenden-kandidaten-zr-94076102.html

 

 

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