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Karl Veitschegger (2025) Stephan von Ungarn – ein Vorbild? Gedenktag:16. August / Ungarn: 20. August Staatsgründer und Nationalheiliger Der
heilige Stephan von Ungarn gilt als Gründer des ungarischen Staates und als
Nationalheiliger seines Landes. Seine Politik trug entscheidend dazu bei, das
Land dauerhaft im christlichen Europa zu verankern. Sein Leben wirft allerdings
auch die Frage auf, ob historische Heilige immer auch Vorbilder für heute sein
können. Das Christentum lockte Der
Arpaden-Großfürst Géza ließ sich gegen Ende des 10.
Jahrhunderts zusammen mit seinem Sohn Vajk taufen. Dahinter standen nicht nur
religiöse Motive. Géza suchte für sein Herrschaftsgebiet den Anschluss an die
christlich geprägte Kultur Westeuropas. Sein Sohn erhielt bei der Taufe den
biblischen Namen Stephan und setzte die Politik seines Vaters entschlossen
fort. Stephans
Ziel war es, aus dem überwiegend noch heidnischen Ungarn einen christlichen
Staat zu formen. Dabei stieß er teilweise auf erheblichen Widerstand. Um
Weihnachten des Jahres 1000, so berichten mehrere Quellen, erhielt er in
Abstimmung zwischen Papst und Kaiser eine Krone, die später als
„Stephanskrone“ legendären Ruhm erlangte. Zugleich wurde er zum
„Apostolischen König von Ungarn“ gekrönt. An seiner Seite stand Gisela von
Bayern, eine Schwester des späteren Kaisers Heinrich II. Zehn Dörfer eine Kirche Mit
Unterstützung deutscher Missionare gründete Stephan Bischofssitze und Klöster,
wichtige Zentren für Seelsorge, Bildung und Kultur. Um die Christianisierung
seines Reiches voranzutreiben, ordnete er an, dass jeweils zehn Dörfer
gemeinsam eine Kirche errichten und für einen Priester sorgen mussten. Der
Besuch der Sonntagsmesse wurde verpflichtend. Auch die Beichte vor dem Tod
galt als Pflicht. Starb jemand ohne Beichte, hatten die Angehörigen dafür
Buße zu leisten. Religionsfreiheit im heutigen Sinn war der damaligen Zeit
fremd. Grausame Politik Nach
dem frühen Tod seines Sohnes Emmerich geriet Stephans Lebenswerk in Gefahr.
Da er befürchtete, seine erbberechtigten Vettern könnten das Heidentum wieder
fördern, ließ er sie als mögliche Thronanwärter ausschalten. Ihnen wurden die
Augen ausgestochen und Blei in die Ohren gegossen. Nicht nur aus heutiger
Sicht erscheint eine solche Vorgehensweise grausam und erschreckend. Zum
Nachfolger bestimmte Stephan schließlich seinen christlichen Neffen Peter
Orseolo. Zielstrebigkeit Trotz
dieser dunklen Seiten wurde Stephan mit seinem Sohn Emmerich später
heiliggesprochen und wird in Ungarn bis heute als Nationalheiliger verehrt. Wir
wollen hoffen, dass Stephan vor seinem Tod am 15. August 1038 noch manche
seiner Grausamkeiten als solche erkannt und bereut hat. Als großes christliches
Vorbild wird man ihn modernen Regierungschefs nicht empfehlen können. Aber
seine Zielstrebigkeit ist beachtenswert. Karl
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