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Karl Veitschegger
(2022) Verschlafene
Heilige? Der 27. Juni ist
traditionell der Tag der heiligen Siebenschläfer. Er galt im bäuerlichen
Leben als Lostag: „Wie das Wetter am Siebenschläfertag, so wird es sieben
Wochen sein.“ Eine Legende aus dem
6. Jh. erzählt: Sieben junge Christen flohen in der Zeit der
Christenverfolgung in eine Berghöhle bei Ephesus. Sie wurden entdeckt und
eingemauert. Sie starben aber nicht, sondern schliefen 195 Jahre lang. Am 27.
Juni 446 wurden sie zufällig entdeckt, wachten auf, bezeugten den Glauben an
die Auferstehung und starben kurz darauf. Diese Legende findet
sich etwas abgewandelt auch im Koran und wird als große Wundertat Gottes
gepriesen (Sure 18): https://www.koran-deutsch.com/18Al-Kahf Der Hund, der die
Heiligen treu begleitet und bewacht hat, ist nach islamischer Tradition eines
der wenigen Tiere, die direkt in das Paradies eingehen dürfen. Ein berühmter
Wallfahrtsort zu den heiligen Siebenschläfern ist die Chapelle des
Sept-Saints in Vieux-Marché in Frankreich (Bretagne). Seit 1954 findet
hier jährlich am vierten Wochenende im Juli eine interreligiöse Wallfahrt
statt. Christliche und muslimische Pilger ziehen dorthin, um abwechselnd zu
beten. Manche Kirchenkritiker
meinen ironisch, die verschlafenen Heiligen von Ephesus seien „Patrone“ jener
Kirchenleute, die die Probleme der Gegenwart nicht lösen, sondern durch
Rückzug und Stagnation überdauern wollen. Andere wünschen sich auch für
unserer Zeit ein „Wunder“ und singen: „Weck die tote Christenheit aus dem
Schlaf der Sicherheit...!“ Karl Veitschegger Zurück zur Startseite
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