Karl Veitschegger (2024)

 

Der heilige Sebastian und der zornige Gott

 

Im Mittelalter verstand man die Pest als Strafe Gottes für die Sünden der Menschen. (Ja, ein grausames Gottesbild!) Gott — so stellte man sich vor — schoss mit Giftpfeilen auf die verdorbene Menschheit. Und die Menschen flehten zu den Heiligen, sich schützend davor zu stellen. Zu diesen himmlischen Beschützern gehörte auch der heilige Sebastian, der mit seinem Körper die Pfeile auffangen konnte. Zumindest sah man ihn ja so in den Kirchen dargestellt. Bald avancierte er im Volk zum beliebtesten Pest-Patron. Sein Gedenktag wurde (und wird) am 20. Jänner gefeiert.

 

Soldat und Christ

Der meist als schöner junger Mann dargestellte Sebastian machte Mut, die Pest zu überstehen. Immerhin überlebte er als römischer Soldat im dritten Jahrhundert die Pfeile, mit denen der Christenverfolger-Kaiser Diokletian ihn, den jungen Christen grausam ermorden lassen wollte. Der halbtote Sebastian wurde von einer Frau namens Irene und ihrer Sklavin gefunden und liebevoll gesundgepflegt, starb allerdings später doch als Märtyrer für seinen christlichen Glauben. So erzählt die Legende.

 

Zeuge der Liebe Gottes

Dass man ihn im Mittelalter als Helfer gegen einen „zornig strafenden Gott“ einsetzte, dafür kann der schöne Heilige nichts. Er hat mit seinem Leben und mit seinem Tod eigentlich die Liebe Gottes bezeugt, wie sie Jesus vorgelebt hat, eine Liebe, die auch uns zur Liebe bewegen soll — gerade auch zu jenen, die heute unter Krankheiten und Seuchen aller Art leiden.

 

Karl Veitschegger

 

Heiliger Sebastian von Perugino:

https://de.borghese.gallery/sammlung/gemalde/heiliger-sebastian-von-perugino.html

 

Gemälde: Sebastian wird von der hl. Irene und ihrer Dienerin gesundgepflegt:

https://www.staedelmuseum.de/go/ds/891

 

 

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