Karl Veitschegger (2013)

 

Ökumene, Wahrheit und Gewissen

Meine Grundsätze für die Arbeit in der Ökumene


 

Foto © Karl Veitschegger: Installation im Landhaus Graz

 

Folgende Punkte sind mir wichtig

 

1. Ich glaube, Gott wünscht sich eine bunte Kirche: „Es gibt verschiedene Gnadengaben!" (1 Kor 12,4) „Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch!" (Kol 3,16). Es darf und muss verschiedene Theologien, Riten, Kirchenordnungen und Traditionen geben.

 

2. Gott will keine zerspaltete und in sich widersprüchliche Kirche. Denn: „Alle sollen eins sein!" (Joh 17,21)

 

3. Da es nun schon einmal als Erbe der Geschichte verschiedene christliche Konfessionen gibt, die einander auch (in zum Teil wichtigen Aussagen) widersprechen, müssen wir einander in christlicher Liebe respektieren und mit allen Kräften (Gebet, Dialog, Studium) nach grundsätzlicher Einheit suchen. Wir dürfen dabei voneinander lernen.

 

4. Jeder Mensch muss immer ehrlich seinem Gewissen folgen. Niemand darf (auch nicht um der Einheit willen) gezwungen werden, einen Kompromiss gegen sein Gewissen zu schließen. Jeder Mensch muss das tun, was er in seinem Gewissen als wahr erkennt – aber auch Rücksicht nehmen auf das Gewissen der anderen und dabei offen bleiben für Neues.

 

5. Die Erkenntnis der Wahrheit kann sich im Dialog zwischen den Konfessionen für alle vertiefen. Manche konfessionellen Gegensätze erweisen sich bei genauerem Hinsehen als zeitbedingte Einseitigkeiten oder als Missverständnisse.

 

So hielt z. B. die katholische Kirche die Kopten, die sich das Konzil von Chalzedon nicht zu eigen machten, seit dem 5. Jahrhundert für „Monophysiten“, und die Kopten hielten die katholischen Gläubigen für „Nestorianer“. Erst im 20 Jh. durften wir entdecken und einander feierlich versichern, dass wir mit verschiedenen Ausdrücken, die vordergründig widersprüchlich sind, eigentlich denselben Glauben an Jesus Christus bekennen („Wiener christologische Formel“ 1971 und Konsenserklärung 1973). In ähnlicher Weise kam es zwischen dem Lutherischen Weltbund und der römisch-katholischen Kirche zu einem Konsens über die früher heiß umstrittene Rechtfertigungslehre („Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ 1999), dem sich später auch der Weltrat methodistischer Kirchen anschloss.

 

6. Ich hoffe, dass der Heilige Geist allen christlichen Kirchengemeinschaften hilft, das Anliegen Jesu immer besser zu verstehen, und so alle zur Einheit in Wort und Sakrament führt.

 

7. Die Einheit ist nie ganz verloren gegangen. Darum wollen wir tun, was jetzt schon gemeinsam möglich ist – im Bekenntnis des Glaubens, im gottesdienstlichen Feiern, in den Werken christlicher Nächstenlieben.

 

Karl Veitschegger

 

 

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