Karl Veitschegger (2026)

 

Maria, die Mutter Jesu, im Islam


 

„O Maryam, Allah hat dich auserwählt und dich rein gemacht und dich auserwählt vor den Frauen der Weltenbewohner! O Maryam, sei deinem Herrn demütig ergeben, wirf dich nieder und verbeuge dich zusammen mit den sich Verbeugenden." (Sure 3,42-43,

 

Besonders geehrt

Maria (arabisch Maryam) ist eine der besonders geehrten Persönlichkeiten im Islam. Sie ist die einzige Frau, deren Name im Koran genannt wird, und das gleich 34-mal (also weit häufiger als in der Bibel), sehr oft in der Formel „Isa ibn Maryam“ (Jesus, Sohn Marias). Die 19. Sure trägt ihren Namen (Sure Maryam), und in der dritten Sure (Sure Al-Imran) wird ihre Herkunftsfamilie gewürdigt.

 

Maria im Koran

Wer die Bibel und die frühchristlichen Legenden (aus den Apokryphen) kennt, merkt unschwer, dass der Koran vieles daraus aufgreift und verarbeitet. Er zeigt Maria als eine von Gott rein bewahrte, tief gläubige Frau, auserwählt vor allen Frauen der Welt. Sie wächst unter der Vormundschaft des Propheten Zacharias (biblisch der Vater Johannes des Täfers) in einem Heiligtum auf und wird dort in ihrer Zelle von Gott auf wundersame Weise mit Speise versorgt.

 

Jungfräuliche Mutter

Der Koran erzählt auch von der jungfräulichen Empfängnis und Geburt Jesu durch Maria. Gott sorgt für die Gebärende durch ein Wunder mit frischen Datteln und einer Wasserquelle. Als Maria nach der Geburt von ihrem Volk beschuldigt wird, Unzucht begangen zu haben, verteidigt das Jesuskind als sprechender Säugling die Unschuld und Reinheit seiner Mutter.

 

Anders als im Christentum

Im Gegensatz zum Christentum wird Maria im Islam allerdings nicht als „Mutter Gottes“ verehrt, da Jesus (Isa) nach dem Koran zwar als höchst bedeutender Prophet und Messias gilt, aber keinesfalls als „Sohn Gottes“.

 

Marienverehrung im Volksglauben

In Teilen des islamischen Volksglaubens wenden sich Muslime auch direkt an Maria (Maryam al-Adhra, die Jungfrau Maria) und betrachten sie als Fürsprecherin bei Gott. Besonders Frauen bitten sie um Beistand bei Unfruchtbarkeit, schwierigen Schwangerschaften und Geburten. Auch manche christlichen Pilgerstätten, die Maria gewidmet sind, werden von Muslimen besucht. So kommen zahlreiche muslimische Gläubige in das „Haus der Mutter Maria“ (Meryem Ana Evi) bei Ephesus in der Türkei, um dort zu beten. Das habe ich dort vor vielen Jahren selbst erlebt.

Diese volkstümlichen Praktiken muslimischer Marienverehrung werden allerdings von strengen Strömungen des Islam, etwa dem Wahhabismus oder Salafismus, scharf kritisiert.

 

Was bleibt

Unübersehbar nimmt Maria auch im Islam eine einzigartige Stellung ein: als Vorbild des Gottvertrauens, der Reinheit und der Hingabe an den Willen Gottes.

 

Karl Veitschegger

 

Die Jungfrau Maria und die Mutter Jesu in islamischer Perspektive

 

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