Karl Veitschegger (2025)

 

Konzil von Nicäa (325) – kurz erklärt


 

🔺 Ein Streit unter christlichen Theologen und ein Kaiser, der politisches Interesse daran hatte, dass die von ihm geförderte Religion in zentralen Fragen mit einer Stimme spricht, waren im Jahre 325 Anlass für eine Versammlung, die als „erstes ökumenisches Konzil“ in die Geschichte einging.

 

🔺 Die Kernfrage: Wie kann man über die Bedeutung Jesu Christi sprechen, ohne das Wesentliches unter den Tisch fällt?

 

🔺 Nach dem Neuen Testament ist Jesus von Nazaret zu 100 % Mensch. Er ist weder ein Halbgott noch ein göttliches Zwischenwesen, das zwischen Gott und den Geschöpfen vermittelt, und auch kein Gott, der sich wie Zeus nur scheinbar als Mensch verkleidet. Nein – er ist ganz und gar Mensch!

 

🔺 Anderseits nennt das Neue Testament Jesus oft „Sohn Gottes“ (und zwar in einem besonderen Sinn) und schreibt ihm auch göttliche Eigenschaften zu. Das Johannesevangelium bezeichnet ihn gleich zu Beginn als „Wort“ Gottes, das selbst „Gott“ ist (Joh 1,1). Und der Apostel Thomas bekennt seinen Glauben, indem er zu Jesus sagt: „Mein Herr und mein Gott.“ (Joh 20,28)

 

🔺 Das wirft eine schwierige Frage auf: Haben Christen also zwei Götter? (Oder gar drei, wenn man den Heiligen Geist hinzunimmt?)

 

🔺 Das Konzil von Nicäa stellt klar: Jesus ist 100 % Mensch. Er betet zu Gott, spricht mit ihm, nennt ihn „Vater“. Er ist kein zweiter Gott. Denn alles, was an Jesus göttlich ist, hat seinen Ursprung in Gott-Vater. Was sein Gott-Sein betrifft, ist er ganz eins mit dem Vater.

 

🔺 Dafür verwendet das Konzil den griechischen Begriff „homoousios“ (ὁμοούσιος) – „wesensgleich“, „wesenseins“, „eines Wesens mit dem Vater“. Das bedeutet: Es gibt nur einen ewigen Gott, ein göttliches Wesen, ein göttliches Leben. Dieses göttliche Leben war und ist in Jesus, der echter Mensch ist, voll (100%ig) präsent. „In ihm wohnt die Fülle Gottes leibhaftig.“ (Kol 2,9)

 

🔺 Bis heute verbindet dieses Christus-Bekenntnis trotz mancher Kirchenspaltung alle christlichen Kirchen in Ost und West – ein Zeichen dafür, dass die Einheit nie ganz verlorengegangen ist.

 

Karl Veitschegger

 

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