|
Karl Veitschegger (2023/2026) Wie war das mit
dem Letzten Abendmahl? Der letzte Abend Jesu Am Abend vor
seiner Hinrichtung hat sich Jesus mit einem engeren Jüngerkreis zu einem
gemeinsamen Mahl getroffen. Das berichten alle vier Evangelien und auch
Paulus. Ob das ein jüdisches Pessach-Mahl (mit Osterlamm) war, wie die ersten
drei Evangelien erzählen, oder „nur“ ein Essen in zeitlicher Nähe zum
Pessach-Fest, wie das Johannesevangelium angibt, lässt sich nicht mehr sicher
sagen. Die Bibelwissenschaft folgt großteils Johannes. In jedem Fall war
dieser Abend von der Pessach-Stimmung geprägt. Zu Pessach (aramäisch Pas:cha)
feiern jüdische Familien alljährlich die Befreiung Israels aus der
ägyptischen Sklaverei zu Moses Zeiten. Frohe Dankbarkeit für die göttliche
Rettung in der Vorzeit paart sich mit der Hoffnung auf endgültige Erlösung. Die
Fußwaschung Das
Johannesevangelium erzählt, wie Jesus sich bei dieser Zusammenkunft zum
Diener seiner Jünger macht, ihnen die Füße wäscht und sie zugleich zur
gegenseitigen Liebe mahnt: „Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt
mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch
die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich
habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch
gehandelt habe.“ (Joh 13,13–15) Jesus lebt vor: Liebe ist die Kraft der
Erlösung. Brot
und Wein Die ersten drei
Evangelien und Paulus erzählen von zwei anderen Symbolhandlungen Jesu an
diesem Abend, die bis heute in christlichen Gottesdiensten eine zentrale
Rolle spielen. Paulus überliefert das so: „Jesus, der Herr, nahm in der
Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das
Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!
Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der neue
Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem
Gedächtnis!“ (1 Kor 11,23–25) Ähnlich berichten das auch die ersten drei
Evangelien, wobei die Jesusworte, die sie jeweils überliefern, voneinander
abweichen (vgl. Mk 14,17–25; Mt 26,20–29; Lk 22,14–20). Der genaue Wortlaut
scheint ihnen nicht wichtig zu sein. Aber alle Quellen sind sich einig, dass
Jesus beim Verteilen des Brotes von seinem „Leib“ und beim Reichen des
Kelches von seinem „Blut“ gesprochen hat. Beides ist ein ungemein starker
Ausdruck seiner Liebe und Lebenshingabe bis in den Tod. Und der Auftrag „Tut
das zu meinem Gedächtnis!“ meint in der Sprache der Bibel nicht bloß ein
Erinnern an Vergangenes, sondern vielmehr ein „Gegenwärtig-Setzen“: Sooft ihr
Jesu Mahl feiert, ist er unter euch da und wirksam präsent. Gemeinsames
christliches Erbe Alle
christlichen Kirchen pflegen diesen Brot- und Wein-Ritus Jesu, wenn sie – je
nach Konfession – Eucharistie (Messe) oder Abendmahl feiern. Und alle
Konfessionen bekennen, dass Jesus in diesen ihren Feiern gegenwärtig wird und
die Mitfeiernden mit sich und untereinander verbindet. Über das „Wie“ seiner
Gegenwart gibt es allerdings verschiedene Auffassungen. Katholischer und
orthodoxer Glaube bekennt: Jesus wird in den Gestalten von Brot und Wein
unsichtbar, aber real gegenwärtig; was bei der Kommunion genossen wird, ist
sein Leib und Blut; er gibt sich selbst zur Speise. Ähnlich lehrt das
auch Martin Luther. Weniger „realistisch“ sehen das die Reformatoren Zwingli
und Calvin. Erst 1973 einigten sich die protestantischen Kirchen Europas auf
diese Formel: „Im Abendmahl
schenkt sich der auferstandene Jesus Christus in seinem für alle
dahingegebenen Leib und Blut durch sein verheißendes Wort mit Brot und Wein.“
(Leuenberger Konkordie) Gemeinsam
zum Tisch des Herrn Für Menschen, die nicht Theologie studiert haben, klingen Diskussionen
über das „Wie“ der Gegenwart Jesu kompliziert. Viele wünschen sich einfach,
Gläubige aller christlichen Konfessionen mögen gemeinsam zum „Tisch des
Herrn“ gehen. Katholische und orthodoxe Kirchenführer wenden dagegen ein, die
konfessionellen Differenzen im Kirchen- und Amtsverständnis seien noch zu
groß. Papst Franziskus setzte allerdings 2015 ein prophetisches Zeichen, als
er der lutherischen Gemeinde in Rom ausgerechnet einen Abendmahlskelch (!)
schenkte. Die gemeinsame Feier der Eucharistie bleibt Ziel der Ökumene. Karl Veitschegger (Erstveröffentlichung in: Irene MariaUnger/Karl
Veitschegger, Apropos Jesus,
Graz 2023) Zurück zur Startseite
von Karl Veitschegger Zurück zum Menü
„Artikel, Referate, Skizzen ..." Karl Veitschegger © 2023/26 |