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Karl
Veitschegger (2025) Der
Heilige Geist und Taube Symbole
sind immer mehrdeutig. Auch die Taube. Tauben verschmutzen durch ihren Kot
unsere Städte. Niemand von uns will unter „Taubenbeschiss“ geraten. Aber
stopp die Fantasie! Es gibt gute Gründe, warum die Taube als Symbol für den
Geist Gottes steht. In der Antike gilt sie wegen ihres angeblich zärtlichen
Gurrens als Liebesvogel. Brieftauben tragen Liebesbotschaften verlässlich zur
weit entfernten geliebten Person. Und auch die Friedenstaube ist uns allen
geläufig. Aber
es gibt noch einen Grund, an den man seltener denkt: Die Taube galt in der
Antike als Tier ohne Galle. Daraus schloss man, es fehle ihr alles Bittere.
Das steckt auch hinter dem Wort Jesu: „Seid klug wie die Schlangen, aber arglos
wie die Tauben!“ (Matthäus 10,16) Klugheit
ohne Hinterlist, Beistand ohne Vorwurf, Freundlichkeit ohne Falschheit, Liebe
ohne Manipulation, Gabe ohne Berechnung — das ist Arglosigkeit. Und so wirkt Gottes
Geist. Der
älteste Evangelist erzählt: „Und es geschah in jenen Tagen, da kam Jesus aus
Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Und
sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel aufriss und
der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel
sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“ (Markus
1,9-11) Auch die anderen Evangelisten greifen das auf und verarbeiten es auf
ihre Weise. Beginnt mit dem Auftreten Jesu etwas schöpferisch Neues? Die
Szene erinnert jedenfalls an die ersten Sätze der Bibel. Auch hier wird Gottes
Geistkraft, die „ruach“ Gottes, mit einem Vogel verglichen: „Im Anfang
erschuf Gott Himmel und Erde. Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag
über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser. Gott
sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.“ (Genesis 1,1-3) Die
Taube des Heiligen Geistes, auf unzähligen frommen Bildern dargestellt,
erinnert immer wieder an diese mächtige, aber arglos liebende, kommunikative,
friedliche, lichtvolle Schöpferkraft Gottes. „Sende deinen Geist aus … und
das Angesicht der Erde wird neu!“ (Psalm 104,30) Karl
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