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Karl Veitschegger
(2021/22) Fest der Heilige Familie“ Ein paar Gedanken – nur so.
„Heilige
Familie“ Erst 1920 hat die
katholische Kirche ein eigenes liturgisches Fest der Heiligen Familie (Jesus Maria
und Josef) allgemein eingeführt, das seit der Kalenderreform 1969 am Sonntag
in der Weihnachtsoktav gefeiert wird. (Fällt kein Sonntag in die Oktav, wird
es am 30. Dezember begangen.) Wenn man so in der
Bibel blättert und nachliest, ging es in der Heiligen Familie ziemlich
turbulent zu. Josef heiratet eine Frau, deren Kind nicht von ihm ist. Gott
will es so, erzählt der Evangelist Matthäus (1,18-25). Die Weisung von oben
kommt damit den ursprünglichen Plänen des Zimmermannes und Bauhandwerkers aus
Nazaret ziemlich in die Quere. Josef hat sich das Familienleben wohl anders
vorgestellt. Und dann muss er für dieses Kind und seine Mutter auch noch eine
Flucht und ein paar Jahre im Ausland organisieren. Geburt unter widrigen
Umständen, Flucht, Asyl in Ägypten (vgl. Lk 2, Mt 2) … – nichts als
Scherereien? Patchwork-Familie
Nach
ostkirchlicher Tradition ist Josef, als er Maria heiratet, Witwer und hat
schon größere Kinder aus erster Ehe. Dass das Leben der Patchwork-Familie in
Nazaret nicht nur harmonisch abläuft, bezeugen die Evangelien. Die
„Geschwister“ Jesu sind mit dem Verhalten ihres Bruders, der als Prophet
auftritt, nicht einverstanden, halten ihn zwischendurch für verrückt (vgl. Mk
3,20-21; Joh 7,5). Auch seine Mutter, die schon dem zwölfjährigen Jesus, der
unerlaubt weggelaufen ist, sagen muss: „Mein Kind, warum hast du uns das
angetan? Dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht“ (Lk 2,48-49),
tut sich zunehmend schwer mit dem „eigenwilligen“ Sohn. Er scheint nicht
immer besonders herzlich über sie und mit ihr zu sprechen (Joh 2,4: „Frau,
was willst du von mir?“). Kein
Familienmensch Darüber hinaus
macht Jesus – man kann ihn wohl nicht als Familienmenschen bezeichnen –
deutlich, dass Familie nicht nur Geborgenheit bedeutet, sondern dass um
höherer Werte Willen auch das „Schwert“, die (zeitweise?) Trennung innerhalb
und von der Familie, nötig sein kann (vgl. Mt 10, 34-37). Dass nach seiner Auferstehung die
Angehörigen Jesu wieder zusammenfinden und sich in der jungen Kirche
engagieren, ist auch bemerkenswert (vgl. Apg 1,14). Josef scheint nicht mehr
am Leben zu sein. Nüchtern
Omafreuden, sagt
die katholische Kirche, hat Maria nie erlebt, aber die päpstlichen Nachfolger
des verheirateten Simon Petrus haben sie zur „Mutter der Kirche“ erklärt. Auf
Josef wurde lange vergessen. Aber auch er bekam schließlich sein Hochfest und
den Titel „Patron der ganzen Kirche“. Familie wird in
der Bibel nie schöngezeichnet und idealisiert, sondern als spannungsreiche
Lebenswirklichkeit und Herausforderung geschildert. Auch die „Heilige
Familie“. Ernüchternd? Ja, ernüchternd find ich das schon, aber auch
trostreich. Karl Veitschegger PS: Ich beziehe mich hier auf die heilige Familie, wie sie in den
Evangelien (und teilweise im Protoevangelium des Jakobus) gezeichnet wird.
Mit Legenden ist dabei zu rechnen. An der Historizität der Namen Josef und
Maria für Jesu Eltern und an gewissen Konflikten zwischen Jesus und seiner
Herkunftsfamilie gibt es aber keine ernsthaften Zweifel. Mein Kurzartikel: 19. März – Heiliger Josef Zurück zur Startseite von Karl Veitschegger Zurück zum Menü
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