Karl Veitschegger

 

Hl. Gregor der Große (590–604) – 3. September


 

Beamter, Mönch, Papst

Gregor ist ein Urenkel von Papst Felix III. (+ 530) und gehört zu den bedeutendsten Gestalten der Spätantike. Mit ihm wird erstmals ein Mönch Papst! Vor seiner Kirchenkarriere war er hoher Beamter, als Papst ordnet er kompetent den Kirchenbesitz und macht gute Sozialpolitik in Italien (bei Hochwasser, Pest). 593 erreichte er durch kluge Verhandlungen einen teilweisen Rückzug der herandrängenden Langobarden aus dem Raum Rom.

 

Diener der Diener Gottes

Er protestiert gegen den byzantinischen Bischofstitel „Ökumenischer Patriarch“ und nennt sich selbst „Servus servorum Dei“ (Diener der Diener Gottes). Andererseits will er, dass nur noch der Bischof von Rom „Papst“ genannt wird. Eine Anrede, die früher allen Bischöfen zustand und soviel wie „väterlicher Mensch“ bedeutet. Er initiiert die Englandmission, fördert Seelsorge, Liturgie und Mönchstum und tritt gegen antijüdische Politik (z.B. im Westgotenreich) auf. Er verwirft Zwangstaufe und Gewalt gegen Juden.

 

Reinigung nach dem Tod

Die Theologie des Fegefeuers verdankt Gregor ihre Entfaltung. Er deutet Matthäus 12,32 so, dass es für lässliche Sünden auch nach dem Tod eine Versöhnungsmöglichkeit gibt. Denn nur eine Sünde kann „weder in dieser noch in der zukünftigen Welt“ vergeben werden. Das ist die Zurückweisung der Vergebung (Sünde gegen den Heiligen Geist, das absolute Nein zur Liebe Gottes).

 

Interpret der Heiligen Schrift

Gregor gilt als guter Kenner der Heiligen Schrift. Allerdings hat er Maria Magdalena mit der Sünderin in Lukas 7,36-50 identifiziert. Ein folgenschwerer Irrtum, der Maria Magdalena in der Tradition des Abendlandes zur bekehrten Sexarbeiterin im Jüngerkreis Jesu gemacht hat.

Von Gregor stammt auch der Satz: „Wer die Heilige Schrift kennt, kennt Gottes Herz.“ Dem stimme ich mit Freude zu.

 

Karl Veitschegger

 

Zurück zur Startseite von Karl Veitschegger

Zurück zum Menü „Artikel, Referate, Skizzen ..."


Karl Veitschegger © 2025