Karl Veitschegger (2024)

 

Hl. Edith Stein (1891-1942) – Gedenktag: 9. August

Ordensname: Teresia Benedicta vom Kreuz


 

Eine Heilige in dunkler Zeit

Die zum Christentum konvertierte Jüdin, Philosophin und Karmelitin wurde 1942 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von den Nazis ermordet. Die katholische Kirche verehrt sie als Märtyrin und Papst Johannes Paul II. erklärte sie 1999 zur Mitpatronin Europas.

Ihr Bittbrief vom 13. April 1933 an Papst Pius Xl., er möge öffentlich zur nationalsozialistischen Judenverfolgung Stellung nehmen, blieb damals unerhört. Wollte der Vatikan das geplante Konkordat mit dem Deutschen Reich nicht gefährden? Aber die Nazis hielten sich bekanntlich nicht an ihre vertraglichen Versprechen. 1937 verurteilte Pius XI. dann in seinem Rundschreiben „Mit brennender Sorge“ die Rassenlehre der Nationalsozialisten als unvereinbar mit der christlichen Nächstenliebe.

Sein engster Berater und Nachfolger Pius XII. rettete vielen Juden und Jüdinnen heimlich das Leben. Warum er offiziell zu den Judenmorden der Nazis schwieg, ist bis heute umstritten.

 

Gebildete Christin mit Weitblick

Edith Stein war nicht nur Ordensfrau, sondern auch eine bedeutende Denkerin. Ihre philosophischen und geistlichen Schriften sprechen bis heute viele Menschen an. Sie nahm auch zur Rolle der Frau in der Kirche Stellung. Schon 1931(!) sagte sie in einem Vortrag in Aachen: „Die neueste Zeit zeigt einen Wandel durch das starke Verlangen nach weiblichen Kräften für kirchlich-caritative Arbeit und Seelsorgehilfe. Von weiblicher Seite regen sich Bestrebungen, dieser Betätigung wieder den Charakter eines geweihten kirchlichen Amtes zu geben, und es mag wohl sein, dass diesem Verlangen eines Tages Gehör gegeben wird. Ob das dann der erste Schritt auf einem Weg wäre, der schließlich zum Priestertum der Frau führte, ist die Frage. Dogmatisch scheint mir nichts im Wege zu stehen, was es der Kirche verbieten könnte, eine solche bislang unerhörte Neuerung durchzuführen.“

 

Brückenbauerin

Das Leben Edith Steins verbindet Glauben und Vernunft, jüdische Wurzeln und christliche Berufung, wissenschaftliches Denken und geistliche Tiefe: Wahre Menschlichkeit wächst dort, wo Menschen einander mit Respekt, Offenheit und Nächstenliebe begegnen.

 

Ihre Heiligsprechung erfolgte am 11. Oktober 1998

 

 

Karl Veitschegger

 

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