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Der folgende
Beitrag erschien in der Kleinen Zeitung, Sonntag, 4. Jänner 2026 Die
drei Könige und das wahre Gold Die Geschichte der
drei Weisen aus dem Morgenland, die das Kind in der Krippe suchen, erzählt
vom guten Miteinander und ist damit heute ungebrochen aktuell. Von Karl
Veitschegger Wenn
ich früher mit meiner Familie einen Teil des Weihnachtsurlaubes in Wien
verbrachte, wohnten wir gerne im Hotel „Drei Kronen“. Der Name des Hauses
erinnerte wie die Namen vieler alter Gaststätten an die Heiligen Drei Könige:
„Zum Goldenen Stern“, „Sternwirt“, „Mohrenwirt“, „Zum Elefanten“, „Zum Kamel“
usw. Denn die „Weisen“ aus dem Morgenland, die laut Matthäusevangelium dem
Stern folgten, um dem neugeborenen Christuskind zu huldigen, avancierten in
der späteren Legende nicht nur zu drei Königen mit viel Gefolge und
exotischen Tieren, sondern sie wurden im Abendland auch als Patrone der
Pilgernden und Reisenden verehrt. Wer Übernachtung, erholsame Rast, Speise
und Trank suchte, wusste sich in Häusern mit den Symbolen dieser Heiligen gut
aufgehoben und gesegnet. Für christliche Wirte waren sie ein Ansporn, auch
Fremden gegenüber freundlich zu sein. Das liegt durchaus schon im
ursprünglichen Sinn der biblischen Erzählung des Matthäus: Während der
gerissene Machtpolitiker Herodes das Neue, das mit dem Kind von
Betlehem begonnen hatte, grausam unterdrücken wollte und seine Hoftheologen
es wissend ignorierten, haben die Fremden das Kind gesucht und ihm ihre Gaben
gebracht. Xenophobie, jene weit über die verständliche Vorsicht
vor Neuem und Ungewohntem hinausgehende Fremdenfeindlichkeit, passt nicht zum
Evangelium. Das zum Mann gewordene Kind aus Betlehem, so erzählt der
Evangelist Matthäus ein paar Kapitel später, wird in der Bergpredigt zeigen,
was er unter Nächstenliebe versteht. Und er wird es vorleben. Wenn ihr nur
die liebt, die euch Vorteile bringen, wenn ihr nur gebt, damit euch gegeben
wird, wenn euch Macht und Mammon wichtiger sind als Gerechtigkeit und
Barmherzigkeit, dann habt ihr nicht verstanden, worum es beim Menschsein
geht. Dann habt ihr auch Gott nicht verstanden. Und ihr werdet nicht finden,
was ihr eigentlich sucht. So könnte man Jesu Kritik an seiner (und unserer?)
Zeit wiedergeben. Noch wichtiger ist seine Botschaft
der Hoffnung: Das Gute wird sich am Ende durchsetzen. Das Senfkorn ist
winzig, aber es wächst und es kann sogar zum Baum werden, in dessen Zweigen
allerlei Vögel nisten. Gott ist ein Gott aller Menschen und Geschöpfe. Die
Volksfrömmigkeit hat etwas Richtiges gespürt, wenn sie die Weisen in ihren
Legenden zu „Königen“ gemacht hat. Denn Großzügigkeit adelt den Menschen. Und
Volksglaube hat einen wesentlichen Grundzug des Evangeliums verstanden, wenn
er den Weisen verschiedene Hautfarben, Lebensalter und Herkunftskontinente
zugeschrieben hat. Denn jeder und jede von uns, wie alt sie auch ist und
woher er auch kommt, ist eingeladen, ein königlicher Mensch zu sein und an
dem Projekt mitzuwirken, das vor mehr als 2000 Jahren unter einem guten Stern
begonnen hat. Dass auch exotische Tiere wie Kamele,
Dromedare und Elefanten im Gefolge der Könige nicht fehlen durften und sich
mit Ochs und Esel und den heimischen Schafen an der Krippe friedlich
einfanden, bezeugt die Zusammengehörigkeit aller Geschöpfe, von der auch die
große Mystik spricht. Wenn in unseren Tagen Buben und Mädchen, aber auch
Jugendliche und Erwachsene als Sternsinger von Haus zu Haus gehen, verkünden
sie auf spielerische Art jene Hoffnung, die am Ende stärker ist als die
Herodesse und Pilatusse unserer Zeit und die zumindest an manchen Stellen das
Eis der Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit aufzubrechen vermag. Früher fand man im Hotel „Drei Kronen“ wie in vielen
anderen Hotels eine Bibel als Lektüre am Nachtkästchen liegen. Wenn man im
Neuen Testament von vorne zu blättern beginnt, ist man bald bei der Erzählung
von den „Weisen“, „Magiern“ oder „Sterndeutern“ (je nach Übersetzung). Und
schon einige Kapitel später begegnet man der oben erwähnten Bergpredigt. Dort
ist nicht mehr von Weihrauch und Myrrhe die Rede, aber Gold wird dem
Aufmerksamen durchaus angeboten: die „Goldene Regel“. Sie lautet nicht wie
ein bekannter österreichisch-kanadischer Milliardär halb ernst, halb
scherzhaft einmal meinte: „Wer das Gold hat, macht die Regel“, sondern Jesus
fasst hier prägnant zusammen, was alle Propheten und Weisen als Herz der
Ethik erkannt haben: „Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch
ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.“ Dass wahre Gold liegt im aufmerksamen
Miteinander. Damit ist auch uns heute Suchenden ein guter Stern gegeben. Möge
uns auch der Mut zum Aufbruch und der weise Umgang mit dem Neuen und Fremden
geschenkt werden. Karl Veitschegger Zurück zur Homepage von Karl Veitschegger Zurück zum Menü "Artikel, Referate, Skizzen
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