Karl Veitschegger (2024)

 

„Der Bischof von Rom“

Ein Studiendokument frisch aus dem Vatikan (2024)

 


 

Das neue Dokument aus dem vatikanischen „Ökumene-Ministerium“ halte ich nach einer ersten raschen Lektüre für einen beachtlichen Schritt „nach vorne“ auf dem Weg der Ökumene. 30 Jahre Dialog sind darin verarbeitet:

 

Zeitbedingtes und Bleibendes

Es wird gründlich unterschieden zwischen dem historisch gewachsenen Papsttum, an dem viel, ja zu viel Zeitbedingtes haftet, und dem, was der Petrusdient in seinem Kern sein will: der Einheit aller Gläubigen dienen. Das entspricht durchaus dem Willen Gottes (traditionell als de iure divino gedeutet), die konkrete Ausgestaltung eines solchen Dienstes aber kann sehr verschieden laufen und liegt in den Händen von Menschen (de iure humano). Das heutige Papstum ist „nur“ eine historische Konkretisierung dieses Anliegens.

 

Die Papstdogmen von 1870

Das gilt auch für die 1870 im Ersten Vatikanischen Konzil definierten Papstdogmen (Unfehlbarkeit in gewissen Situationen und Jurisdiktionsprimat), die sich in ihrer Zuspitzung einer bestimmten politischen und geistigen Situation des 19. Jh. verdanken. Sie sind seither Haupthindernisse der Ökumene. Vieles davon könnte (müsste?) heute anders formuliert werden. Bleibendes Anliegen wäre:

 

Neuformuliertes Anliegen

(1) Es geht darum, „die Einheit der Kirche in grundlegenden Fragen des christlichen Glaubens in Fällen zu gewährleisten, in denen sie bedroht ist“, und (2) „die Freiheit der Verkündigung des Evangeliums und die freie Ernennung zu kirchlichen Ämtern in allen Gesellschaftssystemen“ herauszustreichen. Ein Petrusdienst als Garant der Einheit und Freiheit der Kirche (auch staatlichen Mächten gegenüber)!

 

Primat und Synodalität

Der Bischof von Rom (Papst) — so das Dokument — ist kein absoluter Monarch und gehört wieder verstärkt zurückgebunden in die Kirche als ganze (Bischofskollegium und Volk Gottes). Das altchristliche Prinzip der Synodalität muss daher frisch belebt werden. Die Wahrheit ist nie Privatbesitz des Papstes und kann nie ohne das Volk Gottes, das „als gesamtes nicht irren kann“, bezeugt und verkündet werden.

 

Ökumenische Perspektiven

Den Kirchen des Ostens und auch anderen Gemeinschaften könnte im Falle einer Wiedervereinigung viel Freiraum zugestanden werden, ihr kirchliches Leben selbständig zu gestalten. So wie es in der frühen Kirche war. Auch den katholischen Ortskirchen (Diözesen, Bischofskonferenzen etc.) ist mehr Eigenverantwortung zumutbar. Der Bischof von Rom würde, synodal abgesichert, seine Führungsrolle (Primat) als bevollmächtigter Sprecher und Moderator der Gesamtkirche wahrnehmen können und so eine wichtige gemeinsame Stimme der Christenheit in einer globalisierten Welt sein. Das, meint das Dokument, wäre auch schon möglich, wenn sich die christlichen Kirchen noch nicht in voller Einheit mit Rom befänden. Der Bischof von Rom könnte auch der sein, der immer wieder zu weltweiten Versammlungen aller christlichen Kirchen einlädt.

 

Utopische Gedanken? Ja, vielleicht. Zumindest aber ein mutiges Weiterdenken und ein wichtiger Schritt heraus aus der scheinbar festgemauerten Situation des Bisherigen. Soweit mein erster Eindruck.

 

Karl Veitschegger

 

Quelle: http://www.christianunity.va/content/unitacristiani/it/news/2024/2024-06-13-il-vescovo-di-roma-nuovo-documento-dpuc.html

 

Der Bischof von Rom

 

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