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Karl Veitschegger (2024/2025) Gedanken zum Christkönigsfest Das Christkönigsfest wurde erst 1925 von Papst
Pius XI. zum 1600-Jahre-Jubiläum des Konzils von Nizäa (325) eingeführt. Das
Bekenntnis zu „Christus, dem König“ war auch als Kritik an
religionsfeindlichen und inhumanen Ideologien und Systemen gedacht. Hier zwei
andere Zugänge zum Fest, das am letzten Sonntag im katholischen Kirchenjahr
gefeiert wird: 1 Christköniglich
leben „Königlich“ sein — das klingt heute altmodisch.
Die hebräische Bibel, das Alte Testament, bringt durchaus starke Kritik am
Königtum vor (z. B. 1 Samuel 8,1-22), zeichnet aber an vielen Stellen auch
ein sehr hohes Königsideal: Erwählung durch Gott, unantastbare Würde,
Freiheit, Verantwortung für ein gerechtes Zusammenleben, Schutz der sonst
Schutzlosen. Ein schönes Beispiel dafür ist der Psalm 72. Diese Idee greifen die ersten Christinnen und
Christen selbstbewusst im geistlichen Sinn auf, wenn sie sich als „königliche
Priesterschaft“ (1 Petrus 2,9) bezeichneten. Und Jesus? — Ein politischer Monarch wollte er
nicht sein. Das Johannesevangelium (6,15) erzählt: „Als er erkannte, dass sie
kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen, zog
er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.“ Vor Pilatus, so erzählt das Johannesevangelium
später, nennt er sich dann aber doch „einen König“, aber in dem Sinn, dass er
gekommen sei, „für die Wahrheit (!) Zeugnis abzulegen“ (Johannes 18,37). Er
lebte und ging ans Kreuz für jene Wahrheit, für die die politische Königsidee
bestenfalls ein Schatten sein kann: wahre Würde, wahre Freiheit, wahre
Verantwortung. Von Jesus leben lernen heißt: Freiheit lieben und
Verantwortung übernehmen, Benachteiligte im Blick haben und nach
Gerechtigkeit hungern und — das ist die größte Herausforderung — in allem
aufrichtig lieben. Das ist wahrhaft königlich. „Wenn ihr das königliche (!) Gesetz gemäß der
Schrift erfüllt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!,
dann handelt ihr recht“, mahnt der Jakobusbrief (2,8) im Neuen Testament. Karl Veitschegger (2025) 2 Bist du ein
Christ-König, eine Christ-Königin? Christenmenschen sind königliche Menschen oder
können es zumindest sein. Ich muss nicht Sklave meiner Ängste und
Vorurteile, des rücksichtslosen Konsumierens, der Hasspropaganda im Netz und
in den Bierzelten, der Abwertung anderer und meines kleinkarierten
(Gruppen-)Egoismus sein … Ich darf mein Herz souverän offenhalten. „Wenn ihr nach dem Wort der Schrift: »Du sollst
deinen Nächsten lieben wie dich selbst!« das königliche Gesetz erfüllt, dann
handelt ihr recht.“ (Jakobus 2,8) Papst Franziskus rief einmal den Jugendlichen am
Petersplatz zu: „Liebe Jugendliche, ich wünsche euch, dass ihr mit Freude
sagen könnt: Mit Jesus bin auch ich ein König. Ich bin ein König (vgl. Joh
18,37), denn ich bin lebendiges Zeichen der Liebe Gottes, seines Mitleids und
seiner Zärtlichkeit. Ich bin ein Träumer, der vom Licht des Evangeliums
erleuchtet ist und auch in dunkle Nächte mit Hoffnung blickt. Und wenn ich
fallen sollte, finde ich in Jesus die Kraft zu kämpfen und zu hoffen und
wieder zu träumen. Und zwar in jedem Lebensalter." (Predigt am 21.11.2021) Karl Veitschegger (2024) Zurück zur
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