Karl Veitschegger (2025)

 

28. August

Heiliger Augustinus – ein Afrikaner!


 

Ein Suchender

Am 28. August feiert die katholische Kirche den heiligen Augustinus (354-430), einen der wichtigsten Theologen des Abendlandes. Er war Bischof von Hippo in Numidien. Dieses Gebiet im heutigen Algerien war damals eine stark römisch geprägte Region. Nach einem ausschweifenden Leben, aber philosophisch und religiös immer auf der Suche, wurde der Rhetorik-Professor Augustinus schließlich Christ, geistlicher Schriftsteller und Seelsorger. „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir“ ist ein berühmter Satz des Kirchenvaters aus seinem Werk Bekenntnisse (Confessiones). Es beschreibt die tiefe Sehnsucht nach innerem Frieden, den der Mensch erst in Gott findet.

 

Langzeit-Star der Theologie

Sein Theologen-Kollege Hieronymus sagte über den viel schreibenden Augustinus, er habe „den alten Glauben neu begründet“. Während die Ostkirche ihn immer etwas kritisch betrachtete, wurde er im Westen sehr intensiv studiert und geachtet, nicht zuletzt vom Augustinermönch und Reformator Martin Luther. So gibt es kaum jemand, der sich mit Geistesgeschichte beschäftigt und von Augustinus noch nichts gehört hat. (In der neueren katholischen Theologie werden manche seiner Positionen allerdings zunehmend kritisch gesehen.)

 

Afrikanische Wurzeln

Weniger bekannt ist allerdings seine afrikanische Herkunft. Die ursprünglich als Monnica geschriebene Form des Namens seiner Mutter Monica verweist möglicherweise auf eine regionale vorchristliche Gottheit namens „Mon“. Darin sehen manche Forscher einen Hinweis darauf, dass Augustinus zumindest mütterlicherseits von den einheimischen Bewohnern Nordafrikas, den Berbern, abstammte.

 

Nordafrikanische Fähigkeiten

Diesen Gedanken greift auch der algerische Schriftsteller Abdelaziz Ferrah auf. Sein 2004 erschienener Roman Moi, Saint Augustin, fils d'Aferfan de Thagaste („Ich, der heilige Augustinus, Sohn des Aferfan aus Thagaste“) zeichnet Augustinus ausdrücklich als Sohn der nordafrikanischen Kultur. Für Ferrah spiegeln sich in dessen Lebensweg typische Eigenschaften der Berber wider: die tiefe Verbundenheit mit der Heimat, Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit, aus unterschiedlichen Traditionen das Beste aufzunehmen.

 

Einsatz für die Einheit des Christentums

Auch sein leidenschaftlicher Einsatz für die kirchliche Einheit von europäischen und afrikanischen Christengemeinden gegen die damals in Afrika starke sektenhafte Bewegung der Donatisten, die sich für die wahren makellosen Christen hielten, wird von Ferrah als Ausdruck einer weltoffenen Haltung gedeutet.

 

Übrigens: Die Berber nennen sich selbst Imazighen, was „freies Volk“ bedeutet. „Berber“ ist dagegen eine Fremdbezeichnung, die auf das griechisch-römische Wort für „Barbaren“ zurückgeht und nicht unbedingt schmeichelhaft ist. Augustinus als „Sohn der Imazighen“ zu sehen, eröffnet daher einen interessanten Blick auf einen Kirchenvater, der oft als römischer Denker wahrgenommen wird, dessen Wurzeln aber tief in Afrika lagen.

 

Karl Veitschegger

 

Mehr zur Biographie des hl. Augustinus

Augustinische Orden

 

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