Karl Veitschegger (1926)

 

Heiliger Alphons von Liguori (1696-1787) – 1. August


 

Ein Leben für die im Schatten

Alphons stammt aus einer reichen Familie in Neapel, ist bereits mit 16 (!) Jahren promovierter Jurist und bald gefeierter Anwalt. Nach einer mystischen Licht-Erfahrung im „Spital der Unheilbaren“ bricht er aus seinem Milieu aus und entschließt sich, sein Leben den Armen und Vernachlässigten in Neapel zu widmen. Er wird Priester und gründet den Orden der Redemptoristen. Verkündigung für einfache Menschen, aufmerksames Beichte-Hören und pastorale Bildung der Seelsorger sind ihm große Anliegen. Die Diözese, die ihm später als Bischof anvertraut wird, gilt als „Sack mit unreinen Viechern.“ Kirchliche Ehrentitel und Privilegien lehnte er zeitlebens ab.

 

Gottes Liebe ist größer als die Angst

Die berühmte „Moraltheologie“, die er verfasst, wirkt heute kasuistisch — er ist ja auch Jurist — dennoch bemüht er sich, das strenge unerbittliche Gottesbild seines Vaters, das auch ihn lange ängstigt, zu überwinden. Er ermutigt z. B. im Beichtstuhl Frauen, ihren Männern nicht einfach zu Willen zu sein, und mahnt Männer, ihre Frauen zu achten. (Vergewaltigung in der Ehe gilt damals nicht als moralisches Vergehen. Alfons erkennt das Unrecht.)

Er predigt gegen ein enges, neurotisierendes Gottesbild — es ist damals viel von Sünde, Hölle, Opfer und Sühne die Rede — und ermutigt alle, Gott und seiner umfassenden Erlöserliebe („für euch und für alle“) zu vertrauen.

 

Hemmungsloses Vertrauen

In seinen Schriften findet sich folgende Empfehlung: „Eigne dir die Gewohnheit an, mit Gott zu sprechen, der ganz für dich da ist. Sprich vertraulich und mit grenzenlosem Vertrauen wie zu deinem besten Freund, der ganz von Liebe erfüllt ist. Sprich oft mit Gott: von deinem Leben, von deinen Plänen, von deinen Sorgen, von deinen Freuden und deinen Befürchtungen, von allem, was dich bewegt. Vor allem aber, sprich vertraulich und freimütig mit Gott […] Gott sehnt sich danach, dass du offen mit Ihm Zwiesprache hältst, vertraulich und ohne Hemmungen. […]  Dann wird Gott seinerseits zu dir sprechen nicht mit Worten, die in deine Ohren klingen, sondern auf eine Weise, die dein Herz berührt. Du wirst Frieden, Hoffnung, innere Freude und Reue über deine Sünden verspüren, ein sanftes Klopfen an der Türe deines Herzens.“

 

Karl Veitschegger

 

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