Karl Veitschegger (2025)

 

Heiliger Ägydius – 1. September


 

Ägydius (Egid) ist der Patron des Grazer Doms und der Stadt Graz, in der ich gerne lebe. In Frankreich wird er unter dem Namen Saint Gilles verehrt und davon abgeleitet auch bei uns als Sankt Gilgen, Ilgen, Ilden usw.

 

Der Heilige, um 640 in Athen als Sohn einer reichen Kaufmannsfamilie geboren, soll Heimat und Reichtum verlassen und sich als Einsiedler in eine Höhle an der Rhone-Mündung zurückgezogen haben, um in Einheit mit Gott und der Natur ein einfaches Leben zu führen.

 

Die Legende erzählt, eine Hirschkuh habe ihn mit ihrer Milch ernährt. Als der Westgotenkönig Wamba eines Tages auf der Jagd dem Tier nachstellte, habe sich Ägydius schützend vor die Hirschkuh gestellt und wurde so vom Pfeil des Königs ins Herz getroffen. Diese „Wunde der Liebe“ soll ihm auf eigenen Wunsch ein Leben lang geblieben sein.

 

Der König gründete aus Reue die später nach Ägydius benannte Abtei Saint-Gilles, die unser Heiliger bis zu seinem Tod um 720 (?) als Abt geleitet hat.

 

Ich mag den Heiligen mit dem verwundeten Herzen. Er erinnert mich an ein Wort aus einem kleinen Theaterstück von Thorton Wilder, das wir als Gymnasiasten aufgeführt haben und mir immer in Erinnerung geblieben ist: „In Love's service only the wounded soldiers can serve.“

Ja, so ist es.

 

In der Steiermark gibt es weitere Ägidiuskirchen in Altaussee, Murau, Donnersbach, Obdach, Fischbach und Semriach – und an der südlichen Grenze St. Ägydius – Sentilij.

 

 

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